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Anwalten ist keine Frage des Standorts

von Claudia Assmann | 05.04.2023

Ein Interview mit Frau Rechtsanwältin Svenja Tonn

Ein „Rückzug aus der Fläche“ wurde mit den statistischen Erhebungen der BRAK erkennbar, was insbesondere die Dichte der Anwaltschaft in den „Flächenkammern“ betrifft. Dabei ist die Kanzleitätigkeit dank Internet, beA und digitalen Lösungen keine Frage des Standorts mehr, denn es geht auch andersherum. Ein Interview aus der Praxis.

Guten Tag Frau Tonn, vielen Dank dass Sie für ein Interview zur Verfügung stehen. Sie arbeiten viel mit digitalen Techniken aber fernab von der Großstadt, eine Frage vorab: Wenn Sie ein Buch lesen, lesen Sie es lieber auf Papier oder als E-Book?

Papier – nur so entsteht für mich das richtige Lesegefühl.

Um das „Gefühl“ ging es sicher auch, die Großstadt zu verlassen. Sie wechselten von einer Kanzlei in Hamburg in den kleinen Ort Ostereistedt zwischen Hamburg und Bremen, wo sich nun Ihre eigene Kanzlei befindet. Häufig ist jedoch unter der Anwaltschaft die Abwanderung in die entgegengesetzte Richtung – also hin zu den Großstädten und Ballungsräumen – zu beobachten. Warum ist es bei Ihnen andersherum, also von der Stadt aufs Land?

Ich bin auf dem Land aufgewachsen und habe den ländlichen Raum immer sehr zu schätzen gewusst. Nach meinem Studium und meinem Referendariat in NRW habe ich hier meine erste Anstellung als Assessorin und später Anwältin angenommen, bevor ich in einer Großkanzlei in Hamburg gearbeitet habe. Trotzdem habe ich weiterhin auf dem Land gelebt, da ich die Ruhe und die Natur sehr schätze. Eine Kanzleigründung in einer Großstadt war für mich nie eine Option, da gerade im ländlichen Raum der persönliche Kontakt sehr wichtig und für mich ein entscheidendes Element ist.

Fernab (groß-)städtischer Infrastruktur sind weder Gerichte noch Mandanten fußläufig erreichbar, beides ist nicht unwichtig für die Kanzleitätigkeit. Wie realisieren Sie den Alltag? Nutzen Sie auch Videokonferenzsysteme?

Aktuell nutze ich als Video-Konferenzsystem vOffice von RA-MICRO. Obwohl der Großteil der Kommunikation noch über E-Mail, Telefon und Post stattfindet, wird auch dieses von meinen Mandanten zunehmend in Anspruch genommen. Ansonsten stehe ich meinen Mandanten immer für ein persönliches Gespräch zur Verfügung.

Wie sieht es mit dem Internet aus? Ist es in Ihrem Ort ausreichend schnell oder schlägt man sich dort mit den berüchtigten „Funklöchern“?

Beides. Das kabelgebundene Internet – über das meine gesamte Kommunikation läuft – bietet für mich aktuell ausreichende Geschwindigkeit. Das Mobilfunknetz ist hier auf jeden Fall ausbaufähig, aber für mich nicht entscheidend.

Eine Kanzleigründung ist sicherlich nicht von heute auf morgen abgeschlossen, auch wenn die offizielle und formale Eintragung ein bestimmtes Datum – in Ihrem Fall den 1. Januar 2023 – enthält. Vielmehr ist dies ein Prozess, der in der Regel einige Wochen oder gar Monate dauern kann. Klassischerweise, insbesondere, um die dafür vorgesehenen Räumlichkeiten einzurichten und alles Notwendige beisammen zukriegen, geschweige denn bis man sich einen lukrativen Mandantenstamm aufgebaut hat. Wo befinden Sie sich aktuell in dem Prozess?

Ich befinde mich derzeit im Prozess des Aufbaus meines Mandantenstamms und arbeite parallel daran, meine Kanzlei einzurichten. Die Kanzlei-Räume sind dazu bereits eingerichtet und auch RA-MICRO nutze ich bereits recht umfangreich. Da ich viel im Bereich des Verkehrsrechts tätig bin, plane ich aktuell noch mittels TVM-Bausteinen [Textvariablen Maske, Anm. d. Red.] im RA-MICRO meine Prozesse weiter zu optimieren. Einige Mandanten habe ich bereits gewonnen und arbeite nun daran, das Netzwerk zu erweitern.

Inwieweit profitieren Sie, neben den zahlreichen digitalen Lösungen von RA-MICRO, insbesondere auch von dessen üppigem Serviceangebot, sprich Kundensupport, Weiterbildungsprogrammen wie den Webinaren der RA-MICRO Online Akademie etc.?

Das Serviceangebot von RA-MICRO habe ich schon sehr umfangreich in Anspruch genommen. Zu Beginn habe ich eine Kurzschulung zur Buchhaltung etc. erhalten. Danach habe ich RA-MICRO mit Unterstützung des Supports für mich passend eingerichtet. Die Unterstützung durch den Support ist dafür sehr hilfreich und konnte mir bei diversen Herausforderungen sehr gut und professionell weiterhelfen. Ich versuche zusätzlich die Webinare umfassend zu nutzen, um noch weitere Ideen zur Optimierung meiner Prozesse in RA-MICRO zu erhalten.

beA ist mittlerweile verpflichtend. Nutzen Sie es intensiv? Und ist es Ihnen auch eine Hilfe, um Ihre Arbeit auf das Land zu verlagern?

Da beA mittlerweile für Anwälte in der Kommunikation mit den Gerichten verpflichtend ist, läuft natürlich die komplette gerichtliche Kommunikation über beA. Hierfür ist die Integration von RA-MICRO sehr hilfreich und gut umgesetzt. Für die Kommunikation mit allen weiteren Parteien verwende ich die Outlook-Integration von RA-MICRO.

Also Bücher in Papierform und Kanzleiführung digital?

Beides schließt sich nicht aus, sondern ist eine angenehme Kombination. Genauso wie das Leben auf dem Land und die moderne Kanzleiarbeit, beides passt sehr gut zusammen.

Frau Tonn, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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