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Vom Winde verweht – Ein etwas anderer Kommentar zur E-Akte

von RA Dr. Stefan Rinke | 01.11.2021

Die Vorteile der E-Akte sind bekannt: Sie ist leicht, jederzeit zur Hand und simultan bearbeitbar. In stürmischen Zeiten kommt ein weiterer Vorteil dazu. 

Eine Anekdote aus einer Gerichtsverhandlung, wie sie sich vorletzte Woche vor dem Oberlandesgericht München ereignete: Das Sturmtief „Ignatz“ kündigte sich deutschlandweit schon über die Unwetterwarnungen an, am Donnerstag wurde der Höhepunkt erwartet. Wer kann, lässt natürlich die Fenster zu. Aber was, wenn eine Stoßlüftung aus Hygienegründen vorgesehen ist?

So geschehen gegen 9.30 Uhr im Verhandlungssaal 6 des Oberlandesgerichts. Verfügt der Gerichtssaal nämlich über keine Lüftungsanlage, müssen die Fenster in regelmäßigen Abständen geöffnet werden. Der Öffentlichkeit und der Nachwelt bleibt dies auch noch per Protokollnotiz erhalten. Zusammen mit den Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes ließe sich womöglich bundesweit rekonstruieren, wo diese Konstellation auf Papierakten stieß.

„Achtung, halten Sie Ihr Papier fest“ – Das verlautbarte die Protokollführerin, als die Sturm und Drang-Phase des Wetters auf das Lüftungskonzept im Gericht stieß. Wer noch auf Papier angewiesen war, folgte aufs Wort und hielt fest, was eben nicht vom Winde verweht werden sollte. Einzig der Anwalt mit E-Akte folgte dem Schauspiel in aller Ruhe – die Akte sicher verwahrt auf einem technischen Gerät und ohne Gefahr, von einer Windböe erfasst zu werden. Ein ungewöhnlicher, aber in diesem Moment sicher geruhsamer Vorteil der digitalen Arbeitsweise.

Übrigens: Der nächste Sturm kommt bestimmt.