von Claudia Aßmann | 11.10.2022
Ein Interview mit der Kanzleigründerin Frau Christina Jacobs.
Frau Jacobs, wir dürfen mit Ihnen heute ein Interview führen. Danke, dass Sie sich die Zeit dafür nehmen. Bevor wir auf Ihre Kanzleiarbeit eingehen eine Frage vorab: Sie arbeiten als Coach und haben das anscheinend als ein Berufsfeld ausgebaut, was bedeutet es in Ihrem Fall?
Während meiner Arbeit als Anwältin habe ich gemerkt, dass viele Mandanten gerade im Familienrecht eine weitreichendere Betreuung möchten. Ich arbeite lösungsorientiert und kann durch die zusätzliche Ausbildung als systemischer Coach und zertifizierter Verfahrensbeistand mit meinen Mandanten Bedürfnisse, Wünsche und Ziele differenziert ausarbeiten. Wenn Mandanten ihre Ziele kennen und ihr „Warum“ dahinter verstehen, gehen sie gestärkt in die Verfahren.
Dies führt wiederum dazu, dass Mandanten sich nicht zu einem Ergebnis „überreden“ lassen, das nachher in der Praxis für die Familie nicht umsetzbar ist und vermindert somit eine Vielzahl von Verfahren.
Auch kommt es oft vor, dass Mandanten berichten, ihre Kinder wollten die getroffene Umgangsvereinbarung nicht umsetzen und der Mandant wisse nicht weiter. Hier kann ich mit meinem Mandanten an dem Problem im System Familie und dem Finden einer Lösung arbeiten, sodass es dem Kind leichter fällt, die getroffene Vereinbarung umzusetzen.
Frau Jacobs, Sie sind nun seit drei Jahren Anwältin. Wie sind Sie zu Ihrer anwaltlichen Tätigkeit gekommen?
Bereits während meines Studiums wurde mir klar, dass ich gerne Anwältin werden möchte. Während des Referendariats konnte ich dann voll in den Beruf des Anwalts eintauchen und erhielt mein erstes Arbeitsangebot in der Kanzlei, in der ich während des Referendariats arbeitete. Seitdem bin ich mit vollem Herzen Anwältin.
Gab es besondere Herausforderungen bei Ihrer Kanzleigründung?
Neben den allgemeinen Herausforderungen, die eine Kanzleigründung mit sich bringt, gab es im Speziellen bei mir die Herausforderung, dass ich in Zukunft noch ein Kind bekommen möchte. Anschließend möchte ich eine zweijährige Elternpause einlegen. Das bedeutet für mich als junge Frau einen erhöhten organisatorischen Aufwand, bereits zu Beginn der Kanzleigründung. Überhaupt den Schritt zu gehen, als junge Mutter mit noch nicht abgeschlossenem Kinderwunsch eine Kanzlei zu gründen, erforderte einiges an Mut. Es kamen Fragen auf, wie: Kann ich mir das überhaupt als Selbstständige leisten? Welche Kosten müssen in dieser Zeit getragen werden, obwohl ich nichts erwirtschafte? Wie kann ich meine Kanzlei organisieren, um auch von zu Hause aus auf meine Daten Zugriff zu haben bzw. diese abzusichern.
Dennoch habe ich grundsätzlich die Einstellung, dass alles möglich und es nur eine Frage der Umsetzung ist und so begann ich nach Lösungen zu suchen. Ein großes Thema bei der Kanzleigründung ist das Finden der passenden Kanzleisoftware. Ich habe tagelang im Internet Preise und Leistungen der vielen verschiedenen Softwarelösungen für Kanzleien verglichen und hatte zuletzt einen Anbieter, RA-MICRO, ausgewählt. Hier gibt es einen Einsteigertarif, was mir sehr entgegenkam. Ich wollte nun wissen, ob die Zahlungen während einer Elternpause ausgesetzt werden könnten, da ich die Software in dieser Zeit nicht nutzen werde. Ich führte also Gespräche und schilderte meine Situation. Meine Ansprechpartnerin bei RA-MICRO, erklärte mir, eine solche Situation noch nicht gehabt zu haben und dies individuell prüfen zu müssen. Die Landesrepräsentanz Berlin meldete sich kurzfristig mit der Lösung zurück, die Zahlungen der Gebühren, während der Elternpause für ganze zwei Jahre auszusetzen, um mich so bei meinem Vorhaben zu unterstützen. Dies war für mich die notwendige Unterstützung, um mit meiner Selbstständigkeit starten zu können.
Wie weit ist Ihre Kanzlei bereits mit der Digitalisierung? Nutzen Sie Videokonferenztools, die E-Akte oder arbeiten Sie in der Cloud?
Ich nutze in meinem Kanzleialltag die E-Akte, die Kalender App für mein Handy sowie das vOffice für Videotelefonate. Zusätzlich hat mein Vor-Ort-Partner von RA-MICRO mir einen VPN-Zugang eingerichtet, sodass ich auch von Unterwegs auf meinen Kanzleicomputer zugreifen kann.
Gehen Sie mit Papier zu Gericht oder nutzen Sie hier auch die neuen digitalen Möglichkeiten?
Ich gehe noch ganz klassisch mit meiner Handakte aus Papier zu Gericht. Ich arbeite einfach gerne mit Papier.
Wie betreiben Sie Mandantenakquise?
Ich nutze unterschiedliche soziale Medien, wie z.B. Instagram, Facebook und LinkedIn. Ferner biete ich zukünftig einmal im Monat eine kostenlose Rechtsberatung in einem Frauen- und Familienzentrum bei mir in der Nähe an. Ansonsten habe ich eine Website, auf der ich zusätzlich Artikel schreibe, um meine Mandanten regelmäßig zu informieren.
RA-MICRO ermöglicht mit E-Akten komplett elektronisch zu Gericht zu gehen, mit Laptop oder unseren Apps auch unterwegs. Und in Bezug auf die Mandantenakquise fällt mir Videoberatung über die Kanzleihomepage ein, beides Bestandteile auch der RA-MICRO 1 oder Kanzleistarter-Pakete. Können Sie sich vorstellen, die Features in Ihren Alltag zu integrieren?
Ja, das kann ich mir gut vorstellen. Ich habe bereits gute Erfahrungen bei Fort- und Weiterbildungen sowie beim Coaching mit Videotelefonie gemacht. Bisher bin ich jedoch noch nicht dazu gekommen, die Funktion in meine Homepage zu integrieren.
Frau Jacobs, Sie fahren den Betrieb Ihrer Kanzlei in unbestimmter Zeit familienbedingt herunter, sprich wegen Nachwuchs. Wenn wir fragen dürfen: Wie geht es für Sie nach der Elternzeit weiter?
Nach der Elternpause möchte ich weiterhin als selbstständige Anwältin im Familienrecht, sowie systemischer Coach und Verfahrensbeistand arbeiten. Ich liebe meine Arbeit und kann mir derzeit nichts anderes vorstellen.
Frau Jacobs, als Abschlussfrage: Welche Ziele haben Sie für die Zukunft persönlich als auch beruflich?
Mein Ziel ist es, Familie und Beruf gut zu vereinbaren. Ich möchte einen Mehrwert für unsere Gesellschaft leisten. Vorbild sein, dass alles möglich ist und man mit einer Vision und den richtigen Partnern*innen an seiner Seite alles erreichen kann.