von René Kurtkowiak, DBA., M.Sc. | 16.03.2026
Beim DAV-Einsteigerforum „Get started“ in Köln diskutierten junge Anwältinnen und Anwälte über Kanzleigründung, Digitalisierung und den Einsatz von KI im Kanzleialltag.
Auch im Jahr 2026 bot das Einsteigerforum „Get started“ des Deutschen Anwaltvereins (DAV) eine wichtige Plattform für junge und neuzugelassene Anwältinnen und Anwälte. Am 13. und 14. März 2026 kamen in Köln zahlreiche junge und neuzugelassene Anwältinnen und Anwälte zusammen, um sich über den Einstieg in die Anwaltschaft, über Kanzleigründung, wirtschaftliche Grundlagen und aktuelle Entwicklungen wie den Einsatz von Künstlicher Intelligenz auszutauschen.
Organisiert wurde die Veranstaltung erneut vom Forum Junge Anwaltschaft in Zusammenarbeit mit der Deutschen Anwaltakademie (DAA). Schon bei der Eröffnung wurde deutlich, wie wichtig dieses Format für den anwaltlichen Nachwuchs ist: Junge Juristinnen und Juristen erhalten hier nicht nur fachliche Impulse, sondern vor allem auch Orientierung für die ersten Jahre im Beruf.
Das Programm war vielfältig und praxisnah. Anwältinnen und Anwälte berichteten über unterschiedliche Karrierewege – von der Tätigkeit in größeren Kanzleien über die Arbeit als Syndikus bis hin zur eigenen Kanzleigründung. Weitere Beiträge beschäftigten sich unter anderem mit Kanzleimarketing, Honorarvereinbarungen nach dem RVG, Cyberrisiken, Konfliktmanagement sowie mit Fragen der anwaltlichen Haftung. Besonders wertvoll war dabei der offene Austausch zwischen Referierenden und Teilnehmenden, der sich durch viele Diskussionen und persönliche Gespräche auszeichnete.
Kanzleigründung mit modernen Strukturen
Im Rahmen der Veranstaltung hielt René Kurtkowiak von der RA-MICRO Software AG zwei Vorträge, die sich mit den Veränderungen der anwaltlichen Arbeitswelt durch Digitalisierung und neue Technologien beschäftigten.
Der erste Vortrag mit dem Titel „From Home to High Performance – Eigene Kanzlei ohne hohe Mietkosten“ widmete sich der Frage, wie junge Anwältinnen und Anwälte heute wirtschaftlich sinnvoll in die Selbstständigkeit starten können.
Noch immer verbinden viele Berufseinsteiger die Gründung einer Kanzlei mit hohen Fixkosten – etwa für repräsentative Büroräume oder umfangreiche Infrastruktur. In dem Vortrag wurde jedoch deutlich, dass sich dieses Bild in den letzten Jahren stark verändert hat. Durch digitale Kanzleistrukturen, moderne Kanzleisoftware und mobile Arbeitsmöglichkeiten lassen sich leistungsfähige Kanzleien heute deutlich flexibler organisieren.
Insbesondere für junge Anwältinnen und Anwälte eröffnen sich dadurch neue Perspektiven: Der Schritt in die Selbstständigkeit kann häufig mit vergleichsweise geringen Anfangsinvestitionen erfolgen. Entscheidend ist heute weniger die Größe der Büroräume als vielmehr die Effizienz der Arbeitsabläufe, eine zuverlässige technische Infrastruktur und eine klare strategische Ausrichtung der eigenen Kanzlei.
Die anschließende Diskussion zeigte, dass dieses Thema viele Teilnehmende besonders beschäftigte. Fragen zur praktischen Umsetzung, zu wirtschaftlichen Risiken und zu möglichen Entwicklungsschritten einer jungen Kanzlei wurden intensiv erörtert.
Künstliche Intelligenz im Kanzleialltag
Am Nachmittag folgte ein zweiter Vortrag von René Kurtkowiak mit dem Titel „KI in Kanzleien – sicher. smart. zulässig.“
Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Rolle Künstliche Intelligenz bereits heute im anwaltlichen Alltag spielen kann. Dabei wurde deutlich, dass KI keine juristische Expertise ersetzt. Vielmehr kann sie bei zahlreichen Nebenaufgaben unterstützen – etwa bei der Strukturierung von Informationen, bei Recherchen oder bei organisatorischen Prozessen.
Insbesondere für junge Kanzleien kann der sinnvolle Einsatz solcher Technologien einen erheblichen Effizienzgewinn bedeuten. Gleichzeitig wurden auch die Grenzen und die rechtlichen Rahmenbedingungen thematisiert. Aspekte wie Datenschutz, Mandatsgeheimnis und berufsrechtliche Verantwortung spielen beim Einsatz von KI eine zentrale Rolle und müssen stets berücksichtigt werden.
Die vielen Fragen und die anschließenden Gespräche mit den Teilnehmenden verdeutlichten, wie groß das Interesse an diesem Thema ist. Insbesondere junge Anwältinnen und Anwälten beschäftigen sich intensiv mit der Frage, wie technologische Möglichkeiten sinnvoll in den Kanzleialltag integrieren werden können.
Austausch und Vernetzung
Neben den Vorträgen bot das Einsteigerforum vor allem Raum für persönlichen Austausch. In Panels und Diskussionsrunden berichteten junge Anwältinnen und Anwälte offen über ihre Erfahrungen zwischen Anstellung und Selbstständigkeit. Themen wie Sichtbarkeit, wirtschaftliche Verantwortung oder auch die persönliche Balance im Beruf wurden dabei praxisnah und offen diskutiert.
Auch die Abendveranstaltung bot eine hervorragende Gelegenheit zum Networking. In entspannter Atmosphäre konnten Referierende und Teilnehmende Kontakte knüpfen, Erfahrungen austauschen und bestehende Netzwerke erweitern.
Ein wichtiges Format für den anwaltlichen Nachwuchs
Das Einsteigerforum „Get started“ zeigt Jahr für Jahr, wie wichtig solche Veranstaltungen für die junge Anwaltschaft sind. Die Kombination aus praxisnahen Vorträgen, offenen Diskussionen und persönlichem Austausch schafft genau den Raum, den viele Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger suchen.
Die große Resonanz und das Interesse der Teilnehmenden verdeutlichen zudem, dass Themen wie Kanzleigründung, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz eine zentrale Rolle für die zukünftige Entwicklung der Anwaltschaft spielen werden.