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Fachkräftemangel in Kanzleien

von Nasita Mika und René Kurtkowiak | 16.03.2022

Das Thema Fachkräftemangel beschäftigt den Kanzleialltag intensiv. Wir dürfen einen Auszug aus der Veranstaltung vom 09.03.2022 geben und damit einen Rückblick auf den Diskussionsstand.

Die RA-MICRO Landesrepräsentanz (LRP) Düsseldorf hat zum wiederholten Mal zur Analyse und Diskussion rund ums Thema Fachkräftemangel eingeladen. Die Veranstaltung fand auch dieses Mal online in Form einer Fishbowl-Diskussion statt.

Auf die Frage des Leiters der LRP, Herrn Kurtkowiak, nach dem Verhältnis in Kanzleien zu Führungskräften und Fachangestellten, bemängelt Wirtschaftsjuristin und Rechtsfachwirtin Sabine Vetter, LL.M., dass die Vermittlerrolle der Fachwirte zwischen Chefebene und Rechtsanwaltsfachangestellten (ReFa) nicht ausgenutzt wird und deshalb trotz entsprechendem Fachwissen viele „Fachwirte eher in die ReFa-Position gehen (…), aber nicht in die Führungsebene“.

Rechts- und Notarfachwirtin Ronja Tietje bestätigt die beobachtbare Tendenz, Fachwirte öfters „in der gehobenen Sachbearbeitung (…) und nicht in der Führungsrolle“ anzutreffen. Allerdings sei ein Wandel zu erkennen, insbesondere bei mittelgroßen Kanzleien mit sechs und mehr Berufsträgern. Dort sei zunehmend eine mittlere Führungsebene als Verbindungsglied zwischen beiden Ebenen eingeschaltet. Tietje fügt an: „Allein, es fehlt das Personal, deswegen sind wir ja heute hier“.

Rechtsanwalt Chan-jo Jun betont, es komme auf die Größe der Kanzlei an, da beispielsweise ein Einzelanwalt neben seiner juristischen Tätigkeit auch die Führung der Kanzlei noch ohne Probleme meistern kann. Bei Kanzleien mit deutlich mehr Berufsträgern braucht es jedoch eine Führungsebene und führt als Beispiel die eigene Kanzlei an, in der Fachangestellte diese Aufgabe übernehmen.

Eine Teilnehmerin verweist im Chat auf das hohe Stresslevel als eine Ursache für den Fachkräftemangel. In den Augen einer weiteren Zuschauerin stellt der respektvolle Umgang miteinander einen wichtigen Faktor für erfolgreiche Zusammenarbeit dar. Den letzten Punkt untermauert Moderatorin Nasita Mika mit Studien, welche die persönliche Wertschätzung von Mitarbeitern als einen wichtigen Motivationsfaktor belegen.

Seine Wertschätzung gegenüber den Fachangestellten bringt Rechtsanwalt Bernd Spengler zum Ausdruck: „Diese Mitarbeiter und diese Mitarbeiterinnen können Dinge, die wir als Anwälte nicht können, die wir nicht gelernt haben. Und es gehört zu einer Kanzlei dazu, dass beide Seiten funktionieren“.

Im Einklang mit einem Zuschauerkommentar findet Rechtsanwalt Rainer Riegler: Das Gehalt ist ein Zeichen der Wertschätzung. Selbst, wenn das Betriebsklima und das Verhältnis zum Chef und anderen Mitarbeitern noch so gut seien, werden bei schlechter Bezahlung die Angestellten nie vollständig zufrieden sein.

Bezüglich der Verbesserung des Berufsbildes sind sich alle Diskussionsteilnehmer einig: Der Beruf sollte proaktiv in Schulen wie auf Arbeitsmessen vorgestellt werden. Dabei sind sowohl die Kammern und Verbände als auch die Anwaltschaft selbst gefragt, dieses Berufsbild attraktiv darzustellen. Auch die Transparenz in Sachen Gehälter gehört dazu, da die größte Konkurrenz um die Fachkräfte nicht allein von der Anwaltschaft, sondern vielmehr seitens der Industrie zu sehen ist, die diese Transparenz bietet.