Im H4-Hotel am Alexanderplatz trafen am 5. Juli 2017 RA-MICRO Anwender zusammen, um sich über neue Trends und Entwicklungen in Sachen RA-MICRO Kanzleisoftware zu informieren.

Vor dem eigentlichen Anwendertreffen hatten Besucher die Möglichkeit, sich in einem Workshop alles rund um die Go RA App zeigen zu lassen – von der Installation über die Einrichtung bis hin zu den verschiedenen Funktionen. Zu Beginn der Hauptveranstaltung wies RAin Brandenburg zunächst auf die aktuellen Entwicklungen zum ERV und zum beA hin. Seit Beginn des Jahres ist eine deutliche Bewegung in den einzelnen Bundesländern festzustellen: Bei immer mehr Gerichten können Schriftsätze nun auf elektronischem Weg eingereicht werden. Bislang stellt RA-MICRO allen Nutzern, die bereits heute über den beA-Webzugang aktiv mit Gerichten und Kollegen elektronisch kommunizieren möchten, eine Import- und Export-Ordnerfunktion zur Verfügung. Eine Funktion, die das Login zum beA sowie das Senden und Empfangen direkt aus RA-MICRO heraus unterstützt, wird derzeit programmiert.

Im Anschluss demonstrierte Herr Schumann (LL.B.) die im Zusammenhang mit dem beA immer bedeutendere digitale Postbearbeitung mithilfe des neuen E-Eingangsfachs und führte das strukturierte Arbeiten mit der elektronischen Akte und dem neuen E-Akten-Fenster vor. Des Weiteren präsentierte er die Online-Mandats-Plattform, mit deren Hilfe die vom Mandanten eingegebenen Daten sofort über das RA-MICRO Programm importiert und dort automatisch verarbeitet werden.

Als besonderes Highlight stellte RA Schmidt das neue virtuelle Kanzlei-EDV-System RA-MICRO V vor. Hiermit können Kanzleien zukünftig virtualisiert auf RA-MICRO und den Kanzleidatenbestand von unterwegs remote zugreifen – mit den verschiedensten Endgeräten (Tablet, Smartphone, Laptop und PC). Neben der RA-MICRO V Station, dem sogenannten V-Manager, führte RA Schmidt auch den RA-MICRO V PC live vor.

Zum Abschluss präsentierte RA Doogs, Vorstand der Jurasoft AG, die DictaNet App und verdeutlichte, wie effizientes Diktieren nicht nur mit einem herkömmlichen Diktiergerät, sondern auch per Smartphone von unterwegs funktionieren kann. Zudem stellte RA Doogs die neue Online-Spracherkennung vor, die ab sofort als 30-Tage-Testversion in der DictaNet App zur Verfügung steht.

Im Juli führen wir zwei weitere RA-MICRO Anwendertreffen durch:

18.07.2017 in Kiel

19.07.2017 in Lübeck

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

  • Die Zukunft der deutschen Kanzlei-EDV liegt in der Cloud
    von RA Dr. Peter Becker, Berlin

    Die künftige digitale Anwaltskanzlei erfordert einen neuen Typ von Kanzlei-EDV. Die heute typische PC-Netzwerk-Kanzlei-EDV ist ausgelegt als additives Werkzeug zur Papier-Organisation. Soll die Elektronik anstelle des Papiers die zentrale, alleinige Grundlage der anwaltlichen Kanzlei-Existenz sein, sind weitergehende Überlegungen zur elektronischen Kanzleiorganisation anzustellen.

    Bei der digitalen Kanzlei fällt der existentiell entscheidende Vorteil der Papierakte weg: Die jederzeitige Verfügbarkeit. Auch wenn wir in der Praxis oft und ausgiebig, zuweilen ergebnislos, eine Akte suchen, ist doch der Aktenbestand als Gesamtheit eine beruhigende Existenzgrundlage, dem, – außer dem seltenen Fall von Naturkatastrophen oder Feuer (unabwendbar, daher Wiedereinsetzung) – , nichts etwas anhaben kann. Bei digitaler Kanzlei-EDV können wir dagegen nie sicher sein, ob der Aktenbestand noch da bzw. nutzbar ist. Eine Vielzahl keineswegs unwahrscheinlicher denkbarer Ereignisse, z. B. einer der zunehmenden Verschlüsselungsangriffe, kann den gesamten Datenbestand unbrauchbar gemacht haben. Und wenn die Sicherungsmedien während des Angriffes verbunden sind, die Sicherungen ebenfalls. Der Schockzustand und die Folgen von „alle (oder ein nicht genau bekannter Teil der) Kanzlei-Akten sind auf einen Schlag einfach weg“ können sich alle Leser sehr gut vorstellen. Und selbst wenn Datensicherungen da sind: Fast nie sind diese in Notfall-Übungen erprobt, nicht selten schlagen in der Praxis Datenrücksicherungen ganz oder – fast genauso schlimm – teilweise fehl.

    Einer Veröffentlichung von Microsoft zum Thema Sicherheit ist zu entnehmen, dass sich die Qualität der Angreifer im Internet, überwiegend aus China, Russland und USA, weg vom einzelnen Hobby-Hacker hin zu hochprofessionell organisierten Strukturen entwickelt hat.

    Die Verfügbarkeit der Kanzlei-EDV, die Ausfallsicherheit, hat in Zukunft wesentlich größere Bedeutung als heute.

    Die existentielle Abhängigkeit von der immer komplexer werdend Kanzlei-EDV, verbunden mit einem fortlaufend ansteigenden elektronischen Fehler-/Angriffs-/Ausspähungs-/Erpressungs-/Sabotagepotential führt zwangsläufig zur Überlegung, dass für die digitale Kanzlei im Zeitalter von ERV und beA die Auslagerung der Kanzlei-EDV in ein Rechenzentrum (RZ) geboten ist. In anderen europäischen Ländern – z. B. Skandinavien – ist diese Entwicklung wesentlich weiter. In ein bis zwei Jahrzehnten wird auch in Deutschland die Kanzlei-EDV in der Cloud, d.h. im Rechenzentrum üblich sein.

    Wie sicher sind meine Daten im Rechenzentrum? Die Antwort ist einfach: jedenfalls sicherer als in der Kanzlei! Keine Kanzlei kann den Aufwand eines großen RZ hinsichtlich rund um die Uhr zu gewährleistender Ausfallsicherheit, 2-facher und oft 3-facher Redundanz der Systeme, höchster technischer Qualität der Komponenten, elektronischer und realer Zugangssicherungen, einer permanent wachenden und aktiven Gefahrenabwehr gegen Cyber-Angriffe und Schadsoftware betreiben.

    Die Methode der Wahl ist die virtualisierte Kanzlei-EDV in der Cloud, die isoliert von der Hardware und Administration des RZ ausgeführt wird. Cloud-Computing bezeichnet die Nutzung durch Dritte zur Verfügung gestellte EDV-Ressourcen über das Internet. Unterschieden werden Public Cloud und Private Cloud. Public Cloud teilt sich die Hardware-Ressourcen im RZ mit anderen Nutzern, Private Cloud nutzt exklusiv dem RZ-Kunden Konto zugewiesene Hardware-Ressourcen. Public Cloud ist erheblich einfacher und preisgünstiger als Private Cloud. Public Cloud ist für die kleinere Kanzlei mit 1-2 Berufsträgern empfehlenswert. Ein Arbeitsplatz-PC übernimmt zusätzlich die zentrale Datenhaltung. Darüber hinaus oder bei erhöhten Sicherheitsanforderungen ist die Private Cloud Lösung empfehlenswert, bei der die Datenhaltung in einer gesonderten „vServer“ virtuellen Maschine, optional auch mit SQL Datenbank, ausgeführt wird.

    Die Kosten der Kanzlei-EDV in der Cloud liegen in der langfristen Betrachtung „über Alles“ betrachtet jedenfalls in der Größenordnung einer hochwertigen lokalen EDV-Anlage. Einzubeziehen sind die Stromkosten, Gesamtkosten von Störungen, Ausfallzeiten für Austausch veralteter Geräte, Zeit-Aufwand des Anwalts für die intellektuelle Beschäftigung mit dem Thema, Kalkulation möglicher Ausfallschäden bis hin zum Regress. Im RZ werden turnusmäßig ohne Störung des laufenden Betriebes die Hardware erneuert, man arbeitet stets auf moderner Hardware. Hardwarekomponenten im RZ sind doppelt (Raid) und teilweise dreifach ausgelegt, um eine fast bei 100% liegende Verfügbarkeit auf Jahre und Jahrzehnte zu gewährleisten.

    Die von RA-MICRO ausgewählten RZ haben einfache Oberflächen des Kundenkontos, die auch dem fachkundigen Laien die administrative Verwaltung der RZ-Leistungen ermöglicht. Alternativ kann die Administration des Systems mitsamt der Betreuung des RZ-Kundenkontos durch einen EDV-Dienstleister erfolgen.